Das vierte Treffen

Szenisches Schreiben war die Aufgabe in der vierten Sitzung. Hier ein Beitrag von Emma: 

Alien im Urlaub – Alien-Oma, drei Alien-Kinder, Alien-Vater, Alien-Katze

Alien-Vater und die drei Alien-Kinder lehnen im Handstand an der Wand. Mit einem Knall materialisiert sich die Alien-Oma, sie steht wie erstarrt da.

Alien-Kind 1 (sehr langsam): Oma!

Kinder und Vater kippen in Zeitlupe aus dem Handstand.

Alien-Kind 2 (sehr langsam): Sie ist noch ganz starr.

Alien-Vater (sehr langsam): Gib ihr ein par Minuten, bis sie wieder in unserer Zeit ist.

Alien-Katze rollt sich auf dem Fuß Alien-Omas zusammen.

Alien-Katze (sehr langsam): Schnurrrrrrr.

Kinder und Vater starren Alien-Oma an.

Alien-Kind 3 (sehr langsam): Sie ist ziemlich lila geworden.

Alien-Vater (sehr langsam): Der Planet B-3/8-99.700 ist sehr nahe am Stern 99.700. Ein echter Glutofen.

Alien-Oma reißt die Augen auf, wedelt mit den Armen, stößt Katze von sich, beginnt auf und ab zu tigern.

Alien-Oma (hastig): Meine Güte, hab ich einen Jetlag, hier ist es verdammt kalt, was? Warum sagt ihr denn nichts, freut ihr euch denn nicht?

Alien Oma macht einen Satz auf Alien-Katze zu und nimmt sie auf den Arm.

Alien-Oma(hastig): Ohhh, dutzi, dutzi, Miauuuu! Feine Katze!

Alien-Katze(sehr langsam): Schnurrrrr.

Alien-Kind 1 (sehr langsam): Erzähl uns was von B-3/8-99.700! Gibt es da Aliens?

Alien-Oma (hastig): Ach, ihr kleinen, neugierigen Kinder!

Kind 2 (sehr langsam): Komm schon! Wir haben doch drei Sternumrundungen lang auf deine Katze aufgepasst.

Alien-Oma(mittelschnell): Na gut.

Die drei Kinder machen wieder Handstand, der Vater beginnt Tee zu kochen.

Alien-Oma (mittelschnell): Ich war da in einem-nun ja, „Haus“. Sie nennen es Staatsoper.

Alien-Kind 3 (sehr langsam): Wer sind sie?

Oma (normal): Auf dem Planeten leben so Wesen. Sie sind riesig und haben nur zwei Arme, aber zwei Beine!

Die Kinder staunen.

Alien-Oma (normal): Dieses Haus wurde von ihnen gebaut und (wird leiser) ich will ja nicht diskriminierend werden, aber es zeigt doch, dass die B-3/8-99.700 alle etwas unterbelichtet sind. Man könnte sagen, eine echte Pfostentruppe. Ich komme da rein und als erstes sehe ich, dass diese Leute es nicht schaffen, ein ordentliches Ornament zu kreieren! Da ist dieses Ding fast symmetrisch und dann macht ein Pflanzenstängel alles kaputt! Nicht mal mehr ne billige 60° Drehsymmetrie.

Alien-Kind 2 (sehr langsam): Krass.

Alien-Oma (normal): Ich laufe also weiter durch dieses Gebäude und stelle fest, dass die Säulen nicht im goldenen Schnitt stehen, sondern der perfekte Punkt um c. 0,7586479 cm verfehlt ist.

Alien-Vater stellt der Katze ein Schälchen mit Tee hin, diese beginnt zu trinken. Dann stellt er den Kindern jeweils einen Becher mit Strohhalm vor den Kopf.

Alien-Oma (mittellangsam): Dann komme ich in einen großen Saal, wo unten jemand steht und Lärm produziert. Mit so einer Otto-normal-Schwingung, sagen wir mal bei 1.000 Hertz. Ich geh also zu dem Wesen-wenn man schon Urlaub macht will man schließlich auch ein Alien getroffen haben. Der Außerirdische ist völlig von den Handschuhen, glotzt mich an, lustigerweise war er tatsächlich fast symmetrisch und fragt mich, warum ich auf den Händen stehe.

Alien-Oma wirft sich gemächlich in Pose.

Alien-Oma (mittellangsam): Ich dachte mir: Jetzt hat ein Alien mit mir geredet, der Sprachkurs hat sich gelohnt! Dann hab ich gesagt, wie ich stehe gehe ihn einen Dreck an und er hat gefragt, was ich in dem Saal mache. Also meine ich; Hey, warum habt ihr hier denn keine multikilalen Wände, da würden deine Geräusche besser klingen. (wird langsamer) Und er schaut mich an, als hätte ich gesagt, 13 mal 17 wäre 120.

Alien-Kind 2 (sehr langsam): 13 plus sieben ist 20, 200, 3 mal 7 ist 21, 221.

Alien-Oma (sehr langsam): Da bin ich abgedüst. Mit Aliens, die nicht über dekorierte Mauern hinausgekommen sind, will ich nichts zu tun haben, die können im All bleiben. Und überhaupt, deren Erde, voll tote Hose. Keine Ahnung, warum das grade so in ist, nächstes Mal mache ich lieber eine Saturn-Tour. Die restlichen zwei Jahre habe ich dann jedenfalls außerirdische Würmer im „Regenwald“ untersucht.

Alien-Oma zieht in Zeitlupe einen Kompostwurm aus der Tasche.

Alien-Kind 3 (sehr langsam): Was ist ein Regenwald?

Alien-Oma beginnt zu schnarchen, Alien-Katze schnurrt leise weiter.

© Emma

Und ein Stück von Megan & Liila:

Verfolgt – Eine Szene im Zug

Rollen:  Megan: Frau mit Fahrrad & Liila: Schaffner

L: Hallo! Hier können Sie nicht mit dem Fahrrad einsteigen!

M: Aber ich muss ganz schnell los und ich brauche mein Fahrrad!

L: Gehen Sie doch in einen der speziell für Fahrradfahrer vorgesehenen Wagons am anderen Ende des Zugs!

M: Ich kann jetzt nicht in die anderen gehen!

L: Dann warten Sie auf die nächste U-Bahn.

M: Sir, ich kann auch nicht warten. Ich werde verfolgt!

L: Was?! Ich werde auf der Stelle die Polizei rufen!

M: Die sind von der Polizei!

L: Das ist doch erst recht ein Grund! Ich werde jetzt sofort…

M: An ihrer Stelle würde ich das nicht tun, denn mein Fahrrad ist gleichzeitig eine Bombe!

L: BOMBE?!?! Alle schnell raus!!!

M: NEIN!!! Fahren Sie sofort los oder ich lasse sie explodieren!

L: Sie verfluchte… Hände hoch!

M: Oh mein Gott! Woher haben Sie die Waffe, Sie sind doch nur ein… Verdammt, ich habe aus Versehen den Mechanismus betätigt! Gleich wird sie…

(BUMM!!!)

© Megan & Liila

Nach den aktiven Stunden ging es am frühen Abend gemeinsam ins Theater X in Moabit. „Heimat, deine Schnauze“ heißt die gesellschaftskritische Inszenierung von Ahmed Shah an diesem Abend. Das Angebot richtete sich vor allem an die älteren Teilnehmenden der Schreibwerkstatt.

Ana

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