Das dritte Treffen

In Bewegung ist das Thema des heutigen Treffens. Ausgehend von einer Alltagssituation im Zug und der Überschrift „Ein Koffer rollt durch den Gang“ hat die Gruppe der Schreibwerkstatt eine Geschichte oder Szene aufgeschrieben. Hier ist die von Emma:

Der Koffer

Als der Zug bremste, löste sich ein Rollkoffer aus den schwitzigen Händen seines Besitzers. Der Koffer stieß einen kleineren, roten aus dem Weg, rollte weiter, ließ Kinder zur Seite springen und Erwachsene die Füße einziehen. Dann endlich knallte er gegen die Beine eines Mannes und blieb stehen.

Hey! Wem gehört der Koffer?“ Der Mann packt den Griff und stellt sich auf die Zehenspitzen. „Ihr Koffer!“ Niemand antwortet, dafür drängen sich immer mehr Menschen zwischen den Ursprung des Koffers und seinen jetzigen Aufenthaltsort. „Haben sie den Besitzer dieses Koffers gesehen!“ „Nein.“ „Der Koffer! Ihr Koffer!“ Es meldet sich immer noch niemand, der Mann tritt einmal heftig gegen die Wand des Koffers. Eine ältere Frau steht von ihrem Sitz auf. „Öffnen sie ihn doch.“ Der Mann überlegt, die Menge tuschelt leise. Nach einer Weile versucht er den Koffer hoch zu heben, ein Ächzen kommt über seine Lippen. Also kippt der Mann ihn zur Seite, mit einem Knall prallt der Koffer auf den Boden.

Schweiß rinnt seinen Nacken hinab. „Wem gehört der Koffer?“ Der pflichtbewusste teil in ihm will antworten, aber der andere Teil ist größer. Sie haben ihm doch sowieso alles aufgeschwatzt. Es ist nicht sein Problem. Sie behaupteten, es könne nichts passieren. Nein, gar nichts. Außer der Zoll kommt. Der Schaffner. Oder beide. Hastig öffnet er die Tür und tritt durch den rumpelnden Übergang in den nächsten Wagen.

Sie unterdrückte einen Schrei, als ihr Kopf gegen die Wand prallte. Stattdessen verrenkte sie einen Arm um sich über den Nacken zu fahren. Warum konnte der Mann nicht einfach vorsichtig ziehen? Stimmen drangen durch die Wände, aufgeregt. Sie atmete langsam die stickige Luft ein und zog ihren Arm in eine bequemere Position. Dann lockerte sie vorsichtig ihre eingeschlafenen Füße, bis dieses schnelle, panische Klopfen in ihr sich beruhigt hatte. Als sie versuchte den Kopf auf die andere Seite zu drehen, spürte sie erneut, wie die Wände immer näher rückten. Verdammter Scheißplan, alles zusammen. Der Mann, der Koffer, die Enge.

Jemand trat gegen die Wand, die Vibration setzte sich bis in ihre Knochen fort. Der Zoll? Sie hätte auf Luftlöcher bestehen sollen, dann säße sie jetzt nicht im Dunkeln. Ein erneuter Tritt, sie spürte wie der Koffer kippte. Mit einem dumpfen Knall schlug ihr Kopf zum zweiten Mal auf. Der Reißverschluss begann zu knarzen. Scheiße, Scheiße, Scheiße.

© Emma

Nach der Sitzung in Kreuzberg, ging es am Nachmittag zur Führung in die Staatsoper unter den Linden. Auch dort gab es einen Schreibauftrag. Nach der Führung durch die Staatsoper einen Text darüber schreiben, aber aus der Perspektive eines Fremden. Dieser Text ist von Celin:

Der Besuch in der Staatsoper

Klingeln.

1: Einen schönen guten Tag, Adoptions-Station Burundi hier!

2: Hidaya! Hidaya! Ich bin’s Damba aus Deutschland!

1: Ach Damba! Wie geht es dir bei deinen Adoptiv Eltern?

2: Super! Früher schockierte es mich, dass du so gut Deutsch sprechen kannst, doch jetzt kann ich es selbst:)

1: Ja, das stimmt Damba.

2: Hidaya, ich muss dir dringend was erzählen!

1: Leg los!

2: Gestern war ich mit Mommy und Daddy in der Staatsoper!

1: Echt?Und was habt ihr euch angeschaut?

2: Wir waren bei einer Führung durch die Oper, doch haben kein Stück gesehen.

1: Eine Führung? Wow, wie war es?

2: Es war bezaubernd! Ich sah soo viel Gold, Kupfer usw.! Doch als ich den Apollo und den Ballet-Saal vor die Augen, wurde mir klar wieso es das bedeutendste Opernhaus von Berlin ist.

1: Das klingt ja echt fantastisch!

2: Klar, doch ich konnte es nicht ganz genießen..

1: Wieso das denn?

2: Wenn ich mich an meine Kindheit in der Adoptions-Station von Burundi erinnere, habe ich direkt die Armut und den Hunger von meinen Augen… 

Allein mit dem Betrag des Apollo- Saals könnte man ganz Burundi  ernähren und wieder lebendig aussehen lassen..

1: Ach, das schaffen wir hier schon..

2: Dann könnte man auch endlich eine Gehilfe für Malou besorgen!

1: Oh, nein Jamila brauch mich in der Not-Station!

2: Ok meine Anrufzeit ist auch schon um..

1: Bis bald!

2: Tschüss!

© Celin

Es bleibt spannend.

Ana

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